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Erfreutes Generationentreffen in der Länggasse

«Wi aut bisch du?», fragte eine Erstklässlerin mit leiser Stimme, hin und her «ranggelnd» auf ihrem Stuhl, um sich anschliessend gleich kichernd ihren «Schulgspändli» zuzuwenden. «Füfänünzgi», sagte die Seniorin und lächelte. Ein lautes «Poah!» machte die Runde und die Schüler und Schülerinnen staunten nicht schlecht. Diese Szene durfte ich am Donnerstagnachmittag, 04. November 2021, im Klassenzimmer der 1a, beobachten.

Die Seniorin und ich wurden an diesem Nachmittag von einigen Schülerinnen und Schülern um 14.00 Uhr beim Eingang des Domicil Ahornweg abgeholt. Gleichzeitig wurden weitere Seniorinnen von einer 2. Klasse und einer Kindergartenklasse abgeholt. Das Eis war schnell gebrochen und wir machten uns gemeinsam auf den Weg ins Schulhaus Hochfeld. Ein Schüler bat seine Hilfe beim Fortbewegen des Rollstuhles an. Er habe bereits Erfahrung mit Rollstühlen erzählte er. «I weiss für das dasda isch», und zeigte auf die Greifreifen. Vor lauter Plaudern mit mir und der Seniorin vernachlässigten er und eine dazukommende Schülerin das Schieben. So stiess ich den Rollstuhl mit beiden Kindern, je an einem Schiebegriff haltend, aus eigener Kraft den Stutz hinauf.

Die Seniorin kennt das Schulhaus Hochfeld gut. Sie lebt seit 65 Jahren in der Länggasse und ihre Kinder gingen ebenfalls hier zur Schule. Im Klassenzimmer angekommen sass dann die komplette Klasse, inklusive der Seniorin und mir, in einem Kreis. Sofort streckten einige Schülerinnen und Schüler brav die Hände auf. Die Lehrerin versprach ihnen, nach der Vorstellungsrunde ihre Fragen stellen zu dürfen. Die Stimmung war freudig aufgeregt. Nach der Fragerunde und dem Singen war es endlich so weit. In der Kreismitte lag das grosse «Päckli». Es wurde am Vortag von zwei Seniorinnen mit bunten Sternen, Klebern und Federn dekoriert. Nachdem sich einige Schülerinnen und Schüler auf das «Päckli» stürzen wollten, wurden sie von der Lehrerin auf ihren Stuhl zurückgewiesen. Nun kamen sie abwechslungsweise und öffneten das «Päckli» mit grösster Vorsicht. «Das het de bi üs aubä anders usgseh», flüsterte mir die Seniorin ins Ohr und schaute den Schülerinnen und Schülern aufmerksam zu. Plötzlich gab es erneut einen Ansturm auf das «Päckli», oder besser gesagt auf den Inhalt, der nun zum Vorschein kam. Erneut wies die Lehrerin die aufgeregten Schülerinnen und Schüler auf ihre Stühle zurück. Auf dem Boden lagen nun die gestrickten Stirnbänder. Jedes von ihnen war ein Unikat mit verschiedensten unterschiedlichen Strickmustern und Farben. Nur eines hatten alle Stirnbänder gemeinsam: Die Seniorinnen strickten mit der Wolle einen Faden ein, der das Licht bei Dunkelheit reflektiert. Nacheinander durften sich die Kinder nun ein Stirnband aussuchen. «Dä het jz gloub grad das gno, wo ig ha gmacht», bemerkte die Seniorin erfreut.

Als ich vom Projekt «Kinder leuchten» las, war ich sofort begeistert. Ich nahm Kontakt mit der Schulleitung auf und stiess auf offene Ohren Die Idee wurde an die Lehrerschaft weitergetragen und gleich drei Lehrpersonen haben sich bei mir gemeldet. Die Bewohnerinnen des Domicil Ahornweg dafür zu motivieren, war ein Leichtes. Zwischen acht und zehn Seniorinnen trafen sich nun einmal monatlich zum Stricken. Viele von ihnen strickten sogar für sich allein in ihrem Zimmer weiter. Über ein Jahr nach Start der Strickarbeiten, fand dann die Übergabe statt. Ich war sehr dankbar darüber, dass wir diese trotz Corona mit physischer Anwesenheit durchführen konnten.

Nachdem alle Schülerinnen und Schüler ein passendes Stirnband ausgesucht hatten, bekam die Seniorin zwei gemalte Zeichnungen. Zusätzlich wurde uns ein Bündel mit weiteren Zeichnungen überreicht, für alle Bewohnerinnen, welche bei der Übergabe nicht live dabei sein konnten. Als wir kurz darauf das Schulhaus verliessen, um uns auf den Heimweg zu machen, schaute mich die Seniorin an und sagte: «Jz heitrmi aber verwütscht». Ich war etwas irritiert. «Wenn i gwüsst hätti, dass i so im Mittupunkt stah…». Wir schauten uns an und mussten beide lachen.

Zurück im Domicil Ahornweg verteilte ich die personalisierten Briefe und Zeichnungen, welche auch von den anderen Klassen eingetroffen waren. Die Freude darüber war riesig. «Da het öpper äxtra für mi zeichnet?», fragte mich eine Bewohnerin und strahlte mich an. Eine andere Bewohnerin zeigte mir ihren Brief stolz immer und immer wieder und freute sich an den kleinen gezeichneten Tierchen. Wieder eine Bewohnerin schnappte sich einen Stapel mit Zeichnungen und zeigte sie Bewohnenden, welche sich ebenfalls in der Cafeteria aufhielten.

Das ganze Projekt hat den Bewohnerinnen eine sehr sinnstiftende Aufgabe gegeben. Sie konnten ihre Strickfähigkeiten und Kreativität einsetzen und erlebten sich dadurch selbstwirksam. Durch die regelmässigen Stricktreffen entstand ein verbindendes Gemeinschaftsgefühl zwischen ihnen. Das Highlight, die Übergabe der Stirnbänder und das Treffen zwischen den zwei Generationen, war mit viel Freude, Neugierde und alten, neuerweckten Erinnerungen verbunden. Auf alle Fälle freue ich mich auf hoffentlich viele weitere Generationenprojekte.

Miriam Bourgeois,
Aktivierungsfachperson HF, Leiterin Bereich Kultur und Alltag im Domicil Ahornweg

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